Symphony™ kurz vor Veröffentlichung

Screenshot: Logo von Symphony

Michael Simmons und seine Mitstreiter von Twentyone Degrees haben ihr lange erwartetes Web-Publishing-Tool Symphony (vormals TypeWorks) fast fertig.

Kurze Rückblende: Letztes Jahr irgendwann wurde es plötzlich still in Michaels beliebtem Blog Thought Anomalies. Mit der selbstbewussten Ankündigung, eine supertolle Blog-Software entwickeln zu wollen, wie sie die Welt noch nicht gesehen habe, verschwand Micheal mehr oder weniger aus der Blogosphäre.

Es schien, als plane Simmons, das absolut Neueste und Beste aus der Welt der Blogs und der Webstandards in eine kommerzielle Software zu destillieren, welche die kostenlosen Open-Source-Projekte wie WordPress und Textpattern qualitativ und den Marktführer der kommerziellen Produkte, MovableType, in Sachen Aktualität jeweils absolut in den Schatten stellen und sowiso jegliche Konkurrenz an Attraktivität und “User-Experience” überbieten sollte. Also ein ziemlich ehrgeiziges Vorhaben.

Seitdem war längere Zeit nicht viel zu hören, da Micheal sein Blog wohl vor lauter Arbeit nicht mehr aktualisieren konnte. Alleine war das Projekt sowieso nicht zu meistern - mit den Leuten von Twentyone Degrees hat er das Projekt jedoch auf eine professionelle Basis gestellt.

Meistens blieb es dann aber bei vagen Ankündigungen und Verspechungen. Im Weblog von Twentyone Degrees gab es schon mal spärliche Informationen über den Fortschritt. Der Veröffentlichungstermin der Software musste immer wieder verschoben werden, es gab wohl auch rechtliche Probleme. Die Kommentatoren im Weblog zweifelten Teilweise schon am Erfolg des Projektes und sogar daran, ob die Software überhaupt jemals veröffentlich werden würde. Zwar gab es immer mal wieder Änderungen auf der TypeWorks-Website und Versicherungen, dass es bald soweit sei, aber zwischen den sparsam gesähten Informationshäppchen blieb viel Raum für pessimistische Spekulationen.

Login der Symphony-Demo

Diese Bedenken sollten jetzt ausgeräumt sein, denn mittlerweile wird wohl ein realistischer Veröffentlichstermin, der 15. April, angestrebt. Dafür, dass es diesmal wirklich soweit ist, spricht auch, dass man die Software schon jetzt kaufen kann (USD $49) und dann vorab die Beta-Version zum Ausprobieren bekommt. Auf der Symphony-Site steht auch eine Demo-Version (Passwort: demo) bereit.

“The biggest thing to hit web publishing since the keyboard”?

Die sehr selbstbewussten Ansagen von Twentyone Degrees erzeugen sehr hohe Erwartungen. Können diese erfüllt werden?

Diese Frage lässt sich, da die Software noch Beta ist, sicherlich noch nicht abschließend beantworten, wenn man sich jedoch die Liste der Features ansieht, kommt es sehr schnell zum Will-Haben-Effekt. Mit Highlights wie Roundtrip filter und Smart updater trifft Symphony z.B. schonmal zwei wunde Punkte der Konkurrenz:

Roundtrip filter

Dieses Feature soll das Problem der Textauszeichnung nachhaltig entkrampfen. Mit diesem Filter ist es möglich, ein- und denselben Text mal direkt in XHTML-, mal mit Textile- und ein anderes mal mit Markdown-Syntax auszuzeichnen. Das geht, weil die Texte immer als XML-Daten in der Datenbank abgelegt werden. Schreibt man also einen Text mit Textile-Syntax, wird dieser beim Abspeichern in XML umgewandelt. Ändert man dann seine präferierte Syntax in Markdown (jeder User kann seine Lieblinks-Syntax verwenden) und lädt den Text zur Bearbeitung, wird das XML einfach in Markdown-Syntax umgewandelt. Wenn’s wirklich einwandfrei funktioniert, ist das meiner Ansicht nach schon alleine ein ziemliches “Killer-Feature”.

Smart updater

Schlaflose Nächte, Herzklopfen, Angstschweiß und feuchte Finger beim Updaten auf eine neue Version sollen damit der Vergangenheit angehören. In der Systemverwaltung lassen sich sogar Wiederherstellungspunkte anlegen.

Screenshot: LiveSearch von Symphony

Einfach super ist auch die LiveSearch. Beeindruckende Geschwindigkeit! Das derzeit wahrscheinlich heißeste Web-Dev-Eisen Ajax lässt grüßen…

Ich könnte jetzt hier noch in längere Schwärmerei verfallen (Templates und XSL), denn in Symphony stecken wirklich sehr viele köstliche Leckereien. Demo ausprobieren!

Wer sich die Website und/oder die Symphony-Demo ansieht, wird auch vor allem von einem begeistert sein: Das Design des UI. Endlich mal eine Web-Publishing-Software mit einem professionell gestalteten Interface, das nicht nur praktisch ist, sondern auch noch gut aussieht. Als ich mich nach dem Ausprobieren der Symphony-Demo in an meiner WordPress-Installation angemeldet habe, hätte ich, mit Verlaub, kotzen können. Für Twentyone Degrees spricht auch, bei der Entwicklung der Einhaltung von Standards absolute Priorität eingeräumt zu haben. Um beim UI auf moderne, effizientere Methoden aufbauen zu können, wurde der IE kuzerhand außen vor gelassen. Meiner Meinung nach ein konsequenter, richtiger Schritt. Bei einem kommerziellen Produkt natürlich gewagt und mutig.

Insgesamt ist Symphony meines Erachtens ein sehr beachtliches Stück Software geworden. Twentyone Degrees muss es jetzt nur schaffen, den gesetzten hohen Erwartungen auch in Zukunft gerecht zu werden. Wichtige Punkte sind z.B. dabei, eine absolute Spitzenqualität abzuliefern, sich keine Pannen mit dem automatischen Update zu erlauben und wichtigen Feature-Requests nachzukommen. Um auch in Europa und Asien so richtig erfolgreich zu werden, sollten Twentyone Degrees auch schleunigst über Lokalisierung nachdenken.

Nein, ich werde für diese Lobeshymne (leider) nicht bezahlt - ansonsten würde ich Symphony sicherlich sofort ordern…

Kommentare:

  1. Sandy:
    Ist nicht schlecht aber haut mich ehrlichgesagt nicht vom Hocker. Sowohl CSS-Design wie auch Standards betreffend gibts was besseres. Ist meine Meinung, weil ich es schon öfter eingesetzt habe. Läuft aber nur unter IE. Und ein traumhaftes Templatesystem welches html4, oder XHTML 1.0 und tabellenlose css-layouts unterstützt und sauberen XHTML code beim inline editieren erzeugt. War auch in der ct. Unter Editland.de könnt ihr es anschauen.
    24. März 2005, 18:55
  2. Otto:
    Schöne Oberfläche, wenig Funktionen, viele Bugs.
    Da kann man für die weitere Entwicklung alles Gute wünschen!

    Otto
    19. April 2005, 10:20

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